Da ich derzeit an Sprachaufnahmen arbeite, ist mir wieder einmal aufgefallen, wie wichtig es doch ist, Vocals jeglicher Art stets kritisch durchzuhören und zu bearbeiten. Dabei meine ich jetzt nicht einmal, um evtl. Korrekturen sprachlich oder inhaltlich durchzuführen, oder - was ja heutzutage auch geht - den musikalische Korrekturen in Sachen Tonhöhe oder Timing. Es geht darum, all das in den Griff zu bekommen, was "in der Natur der Sache" liegt.

Wer schon einmal Gesangs- oder Sprachtracks im Solo-Mode analysiert hat, weiss, was sich auf so einer Spur alles befindet, was man nicht hören möchte. Zusätzliche genaue Betrachtung per z.B. Analyzer bringt dabei noch zusätzliche "Sauereien" zutage.

Je nach Sänger, Sprecher oder abhängig vom Kontext, mach es dabei unter umständen auch Sinn, die Finale Säuberung erst duzrchzuführen, wenn schon eine gute Portion Kopression auf den Spuren liegt. Oft hört man (oder sieht am Analyzer) erst dann alle unnötigen Nebengeräusche.

Was soll denn bitte auf einer Gesanbgsspur ausser Gesang zu hören sein?

Oh, da gibt es vieles. Das beginnt bereits mit dem Athmen. Manchmal wichtig und erwünscht, ein anderes mal aber störend. Je nach dem, wie stark eine Aufnahme bearbeitet wird, sind Athemgeräusche auch oft einfach zu laut oder zu viele. Ich persönlich finde Athmer oft wichtig, vor einer Passage die entsprechend Power hat auch Pflicht, da ich es als unnatürlich empfinde, wenn ein Sänger keine Luft holt. Viele Athmer zwischen Worten oder Sätzen können aber meist entweder leise gezogen werden, oder können ganz weg.

Und was noch?

Ähnlich ist das mit allerlei anderen Geräuschen, die ein Mensch schon allein durch das öffnen und schliessen des Mundes verursacht, oder im Mund beim "Vorbereiten" auf den nächsten Ton. Je nach dem, was gegessen oder getrunken wurde, je nach Gesundheit oder einfach weil die Speichelbildung dazu beiträgt, ist da einiges an Schmatzen, platzenden Luftbläschen und anderem "akustischem Müll" auf den Tracks. Je nach einstellung des Kanals, werden diese Geräusche dann oft laut und störend. Selbst, wenn man sie im Kontext des ganzen Songs nicht direkt wahrnimmt, tragen diese akustischen Ereignisse eben doch zum Gesamtbild bei.

Ein weiteres Problem, was man oft gar nicht direkt hören kann, ausser mit wirklich hochwertigen Lautsprechern, die entsprechend "Tiefgang" aufweisen. Ist vieles im Tieffrequenten bereich. Geräusche, die z.B: durch Wind, Bewegung  mitgrooven entstehen. So wird z.B: ein Mikrofonstativ das sich bewegt zwangsläufig auch Schwingung auf das Mikrofon übertragen. Wenn man solche Probleme nicht schon vor der Aufnahme beseitigen kann (z.B. Mikrofon entkoppeln durch hängen, anstatt es zu stellen), muss man sie eben beim Editieren in den Griff bekommen.

Wie also vorgehen?

Grundsätzlich kann man versuchen, möglichst viel zu Automatisieren, z.B. durch den Einsatz von Gates (die aber für mein Empfinden oft unnatürlich öffnen und schliessen) oder z.B. über die Automation einer DAW. Ich bevorzuge manuelles sauber schneiden. Am liebsten arbeite ich dabei mit Programmen, bei denen man Spuren in Parts schneiden kann und dabei Einfluss hat auf Fadezeiten und -kurven und auf die Lautstärke der einzelnen Parts. So kann man in einem Durchgang säubern und auch schon die ersten groben Lautstärkekorrekturen durchführen.

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